Baukunst an der Kunstakademie Düsseldorf

Im Mittelpunkt der Architekturausbildung an der Kunstakademie Düsseldorf steht die Auffassung von Architektur als Baukunst. Anders als die auf technische und ökonomische Optimierung des Bau- und Planungsprozesses und die Ausbildung entsprechend geschulter Fachspezialisten ausgerichteten technischen Hochschulen behandeln die Baukunstklassen der Kunstakademie das Bauen als umfassende kulturelle Fragestellung.

 

Die Aufgabe von Architektur, Räume für Menschen zu schaffen wird als ganzheitliche Gestaltungsaufgabe vermittelt - und zwar räumlich als Einheit von Stadtraum, Außenraum und Innenraum, wie auch zeitlich im Sinne einer überlegten Ausarbeitung der geschichtlichen Dimension von Architektur. Für die Studierenden soll die gesellschaftliche Relevanz von Architektur und die daraus resultierende Verantwortung des Architekten durch die Arbeit an den gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit sichtbar werden.

 

Im Zentrum der Didaktik steht dabei immer die schöpferische Auseinandersetzung mit der Entwurfsaufgabe als dem Fixpunkt der architektonischen Gestaltung.

 

Die Bindungen einer konkreten Entwurfsaufgabe bilden zugleich das Versuchsfeld für eine freie Befragung der Zwecke und Mittel von Architektur, über die die Studierenden zu einem umfassenden Begriff von Technik gelangen sollen; Jenseits des bloßen Designs, als funktionaler, konstruktiver und kommunikativer Dienstleistung. Die Auseinandersetzung mit den Fragen der Architektur ist darum auch nicht primär technisch, wissenschaftlich sondern geisteswissenschaftlich informiert.

 

Im Ateliergespräch in den Klassen soll sich im Spiel von Rede und Gegenrede, Vorschlag und Kritik die individuelle künstlerische Position des Studierenden herausbilden. Die Kunstakademie Düsseldorf will zu unabhängigem, freiem, kreativem und auch selbstkritischem Denken ermutigen. Die Augen der Studierenden sollen nicht nur für den konkreten Kontext der Aufgabe sondern darüber hinaus für die wichtigen Fragen der Zeit geschärft werden und die Rolle die ein Architekt darin einnehmen kann.

 

Die besondere Virulenz der Kunstakademie besteht jedoch darin, dass hier nicht nur Architekten mit Architekten streiten. Die Schüler der Baukunst sind vielmehr aufgefordert ihre Position an der Vielzahl der hier vertretenen künstlerischen Richtungen, Techniken und Persönlichkeiten zu gewinnen. Eine Rechtfertigung der eigenen Arbeit gegenüber einer Künstlerpersönlichkeit, wie es das Curriculum der Baukunst vorsieht, stellt eine besondere Qualität der Lernerfahrung dar, wie sie nur an der Kunstakademie möglich ist.

 

Bei dieser Wahl der Perspektive auf Architektur geht es nicht um eine Unterwerfung von entwerferischer Rationalität durch den intuitiven, subjektiv-künstlerischen Einfall im Sinne eines L`art pour l`art. Im Gegenteil. Gerade dieser „Originalität um der Originalität Willen“ soll durch eine vieldimensionale Bestimmung von Architektur als Kultur entgegengearbeitet werden.

 

Im Verlauf des Studiums sollen dabei die wesentlichen, unser Verständnis von Gestaltung bestimmenden Fragen im Dialog in den Klassen bearbeitet und durch die Studierenden in eigenständige Gestaltungs- und Ausdrucksformen realisiert werden - also die Frage der Beziehung von Form und Aufgabe, der Beziehung von Stadt, Haus und Innenraum, sowie die Frage nach dem Maß, der Teile und der inneren Gesetzmäßigkeit der architektonischen Organisation, das Problem der Konstruktion und deren sprachlicher Vermittlung innerhalb einer Architektur und die Frage des architektonischen Stils: Farbe, Struktur, Oberfläche und Material mithin die Frage nach der kommunikativen Aufgabe von Architektur.

 

Die Möglichkeiten der Akademie als Ort und als Form bilden den idealen Raum für diese Art der Architekturausbildung. Denn neben der individuellen Arbeit an der Aufgabe bildet der Dialog selbst den zweiten Grundpfeiler der Lehre: der Dialog der Studierenden untereinander während der täglichen Arbeit in den Atelierklassen, der Dialog zwischen Schüler und Lehrer aber auch der Dialog zwischen den an der Akademie vertretenen Kunstrichtungen. Gerade dieser Austausch der Positionen zu dem Lehrende wie Studierende aller Richtungen hier geradezu gezwungen sind bildet die Grundlage zum Erwerb der Fähigkeit Probleme konzeptuell zu erfassen, darzustellen und schließlich künstlerisch umzusetzen.

 

Das Ziel der Einzelveranstaltungen der Hochschullehrer und der künstlerischen und wissenschaftlichen Fächer besteht deswegen immer auch darin die Akademie als Forum des Dialogs am Leben zu erhalten und für Themen von außen oder persönliche Initiativen und Projekte der hier versammelten Künstler und Architekten zu öffnen.

 

Architectural training at the Kunstakademie Düsseldorf is based on the concept of architecture as Baukunst or of building as an art. Unlike technical universities that aim to technically and economically optimise the building and planning process and therefore produce appropriately trained specialists, the Baukunst classes at the Kunstakademie approach building as a comprehensive cultural issue.

 
We treat the purpose of architecture, which is to create spaces for people, as a holistic design task – in a spatial sense as the unity of urban space, outside spaces and inside spaces, and in a temporal sense as a sophisticated elaboration of the history of architecture. We want to make our students aware of the ways in which architecture is relevant for society and of the resulting responsibility that architects have when working on the social questions of our time.

 

Creative debate forms the centre of our training, with the design task as the root of the architectural design.

 

The reference points of a concrete design task also form a test field for the students to freely interrogate the purposes and instruments of architecture and arrive at a comprehensive understanding of engineering; as a functional, constructive and communicative service beyond pure design. That is why our debate on architecture is more humanistic than just technically or scientifically informed.

 

Offering opportunities for talks and objections, suggestions and criticism, the studio debates in the classes form an ideal setting for students to develop their own individual artistic positions. The Kunstakademie Düsseldorf encourages independent, free, creative and also self-critical thinking. We want to open the eyes of our students not just for the concrete context of their task, but beyond that also for the important issues of our time and the role architects can play in tackling them.

 

What is especially fascinating about the debates at the Kunstakademie however is that they are not just between architects. Our Baukunst students are invited to find their own positions between the many different artistic directions, methods and figures represented here. The opportunity of defending your own work in front of a figure in art, as provided for by the Baukunst curriculum, is a special learning experience that only the Kunstakademie is able to offer.

 

This choice of architectural perspective is not about putting the intuitive, subjective-artistic idea in the sense of l’art pour l’art above design rationality. To the contrary. It is exactly this “originality for the sake of originality” that we aim to counter with our multidimensional concept of architecture as a culture.

 

During their studies and in their classes, we want our students to go into dialogue on the essential issues defining our understanding of design and to find their own independent forms of design and expression – the issue of the relationship between form and task, the relationship between city, building and interior, the question of measure, proportion and an inner law of a design’s organisation, the problem of construction and its vocabulary within architecture and the issue of architectural style: colour, structure, surface and material, and hence the issue of the communicative purpose of architecture.

 

The opportunities the academy offers as a place and as a concept create the ideal framework for this type of architectural training. Besides individual work on a task, dialogue forms the second pillar of our teaching: dialogue between the students themselves during their daily work in the studio classes, dialogue between students and lecturers, but also dialogue between the different art forms represented at the academy. This exchange of positions that lecturers and students of all directions are compelled to address here forms the basis for learning how to turn problems into a concept, illustrate them and finally make art of them.

 

The goal of the lecturer’s individual classes and the artistic and scientific subjects is therefore always also about keeping alive the academy as a forum for dialogue and to open it for topics from outside or for personal initiatives and projects of the artists and architects gathered here. Max Dudler

 

Max Dudler